Mit Air Berlin nach Florida – und das Gepäck ist weg!

Wer fliegt schon am 01. April nach mit Air Berlin nach Florida? Ich! Der Flug war unschlagbar günstig, 644,39 Euro von Frankfurt über Berlin nach Miami. Es ist „spring break“, hier wie dort und mithin neben Weihnachten die teuerste Reisezeit. So weit so gut.

Der Konzernumbau von Air Berlin ist in aller Munde, dass das Unternehmen tiefrote Zahlen schreibt auch. Das Risiko ist überschaubar denke ich mir, solange Etihad den Laden über Wasser hält. Und das tun sie wohl wenigstens noch bis 2018.

Der Flug findet also statt, geht sogar einigermaßen pünktlich ‚raus und ich habe die erste kleine Etappe nach Berlin geschafft.

Der Weiterflug nach Miami wird bereits angezeigt und ich unke schon fröhlich in mich hinein: Klasse Airline! Ich sitze mittlerweile in der Maschine nach Miami auf einem präferierten Gangplatz, studiere das Entertainment Programm und lege die Reihenfolge der Blockbuster fest, die ich schauen möchte: „La La Land“, „Jennas Kuchen – Für Liebe gibt es kein Rezept“, „Colonia Dignidad – es gibt kein zurück“ und zum Schluss vor der Landung lieber noch etwas weniger Schweres: „Keeping up with the Joneses“. Prima!

Wie so oft soll man den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir sitzen brav auf unseren Plätzen, 10 min, 20 min, es erfolgt die erste Ansprache des Captains zur Lage der Nation, 30 min, nach 40 min erfolgt die nächste Durchsage des Hausherren mit dem Hinweis „Es gab einen Personalwechsel in der Abfertigung, leider läuft alles noch nicht so wie es sollte… “ Ach was! Dann ergreift nach einer Stunde ein völlig verärgerter Pilot, der doch hoffentlich jetzt nicht fristlos kündigt und von Bord springt, das Mikro: „Das ist wirklich unglaublich was hier läuft!“, entfährt es ihm… oder soll ich sagen „entgleist“ es ihm? Wie auch immer, ich finde man hätte zumindest den Passagieren, vielleicht auch dem Pilot?, ein paar kühle Drinks spendieren können.

Suddenly we are pushing back! Nach 1,5 Stunden starten wir tatsächlichen nach Miami! Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste und auch nicht hätte wissen wollen: Mein Gepäck und das von 20 anderen Passagieren steht wohl irgendwo, einsam und verlassen auf dem Vorfeld, wenn es nicht schon vorher im Tegelschen Labyrinth der Gepäckbeförderung verlustig gegangen ist oder direkt im Nirvana gelandet ist.

Mit einer Stunde Verspätung kommen wir in Miami an. Ich komme mir vor wie Bruno aus Dieter Wedels Dreiteiler „Wilder Westen inklusive“, der mit halboffenem Mund am mittlerweile geplünderten Gepäckband in Los Angeles steht. Keine Panik, sage ich mir, ich bin in Miami! Das Gepäckband stoppt und ich ahne was mich jetzt erwartet, oder soll ich lieber sagen was mich nicht erwartet? Mein Gepäck ist jedenfalls offensichtlich nicht mit von der Partie. Einer der überall herumstehenden Koffer kann ich auch nicht mein eigen nennen. Wer weiß, wo ihre Reise eigentlich hingehen sollte.

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Property Irregularity Report

Mr. Jarvis ist der einzige Agent, der in Seelenruhe für jeden der 20 Passagiere nacheinander den „Property Irregularity Report“ (PIR) ausfüllt. Ein zweiter oder gar dritter Agent „is not on duty!“ Super! Wenigstens bin ich die Dritte in der Schlange. Auf einem Gepäckwagen mittels Durchschlagsformular auf Klemmbrett werden die Daten zusammengetragen. Das dauert. Der PIR ist übrigens wichtig, denn ohne Vorgangsnummer hat man nicht allzu viel in der Hand, wenn man später irgendwelche Ansprüche geltend machen will.

3 Stunden  nach der Landung begebe ich mich auf den Weg ins Hotel – sichtlich „erleichtert“, zumindest was das Gewicht des Gepäcks angeht. Die freundliche Rezeptionistin mit mexikanischem Akzent hat Mitleid mit mir – und bietet mir „without extra charge“ ein upgrade an – „ocean view and higher level“! Ich könnte sie knutschen!

P1020124Von meinem Balkon schaue ich auf das türkisfarbene Meer. Ich würde mich am liebsten in die Fluten stürzen – dies gestaltet sich allerdings etwas schwierig ohne Bikini oder Badeanzug. Und so werfe ich erst einmal einen Blick in die Minibar, gönne mir ein eiskaltes Budweiser. Yummy! Ohne Klamotten und die notwendigsten Kosmetikartikel fühlt man sich allerdings doch einigermaßen aufgeschmissen und so laufe ich zu Fuß zur Lincoln Mall in Miami Beach, um mir die wichtigsten Sachen zu kaufen. Nach meiner inneren Uhr ist es 1 Uhr nachts. Ich bin hundemüde als ich bei CVS einfalle und völlig planlos irgendwas in den Einkaufswagen schmeiße… Zahnbürste, Bürste, Eye Make Up Remover, Deo… wo soll ich anfangen, wo aufhören? Die Preise sind gepfeffert und der Dollarkurs nahe der Parität macht auch keinen Spaß – jetzt sowieso nicht.

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Lincoln Mall at night – Miami Beach

Am nächsten Tag bekomme ich per Amadeus Messaging Server meine Vorgangsnummer zur Verlustmeldung geschickt mit dem Hinweis, dass man nicht weiß, wo sich mein Gepäck derzeitig befindet. Ich verdrehe die Augen, was natürlich wenig hilfreich ist. Freundlicherweise gibt man mir noch eine Telefonnummer der Flughafengepäckermittlung in Miami auf den Weg. Hier soll ich mich innerhalb der nächsten 5 Tage melden. Zeitgleich mache ich meine Angaben zum Gepäckverlust auf der entsprechenden Seite der Air Berlin Homepage.

Tagtäglich rufe ich die Nummer von Air Berlin am Flughafen Miami an. Da stellt man sich tot. Auch der E-Mail Server in Miami ist geblockt! Meine Gepäckverlustmeldung an Air Berlin wird nur mit einem lapidaren Eingangsschreiben quittiert. Aber immerhin habe ich jetzt eine weitere Air Berlin – interne Vorgangsnummer!

Nach 5 Tagen übergibt Air Berlin die Suche an einen externen Dienstleister, Baggage Express, der nun weltweit für mich forscht. Ich weiß nicht genau, ob das gut oder schlecht für meine Gesamtsituation ist, aber ändern kann ich es ohnehin nicht. Tag für Tag decke ich mich sukzessiv mit (Bade-)Kleidung, Schuhen und Kosmetik ein, immer in Maßen und in der Hoffnung, dass mein Gepäck schon morgen früh für mich bereit stehen wird. Das passiert allerdings nicht.

Am 8. Tag kommt ein Anruf aus Miami. Ich befinde mich zurzeit auf Rundreise in Vero Beach, ca. 200 km nördlich von Miami Beach. „Hi, Tanja, we have your luggage here!“ Ich freue mich und denke, dass ich spätestens morgen früh alle meine geliebten Klamotten wieder habe. Zu früh gefreut. José macht mir deutlich, dass er nicht gewillt ist, das Gepäck nach Vero Beach zu bringen. Ich könnte es aber in Orlando abholen. Schlappe 2 Stunden Autofahrt trennen mich von der Disney-Hochburg. Nein, danke! Und so verabreden wir, dass sie mir das Gepäck am 9. Tag abends  in mein nächstes Hotel in Sunny Isles, North Miami Beach bringen. Hooray!

Und dann stehe ich in der Lobby zur vereinbarten Zeit und warte… 10 min, 20, … 90 min und verziehe mich letztendlich maulig an die Bar. Am nächsten Morgen frage ich den Concierge nach meinem Gepäck. Wir durchforsten gemeinsam einen muffigen Abstellraum und ich sehe furchtbar viele Koffer – nur nicht meinen.

Am 11. Tag fahre ich wütend zum Miami Airport und treffe dort eben jenen Mr. Jarvis an, mit dem das ganze Unheil begann. (Zugegebenermaßen, Mr. Jarvis kann nichts für mein verlorenes Gepäck, aber zumindest für die Nichtzustellung nach Vero Beach und seine unglaubliche Gabe, Kunden im Regen stehen zu lassen). Ihr Gepäck wurde soeben in Ihr Hotel geliefert, informiert er mich mit dem vermutlich schönsten und breitesten Grinsen, mit dem er aufwarten kann. Oh, ja, ich hätte anrufen sollen… „You are kiddin‘, right?“, frage ich.

Mein Gepäck war wirklich da! Damit fing der Ärger eigentlich aber erst an. Trotz umfassender Schadensersatzbeschwerde (Streitwert. 700 US$) mit Bezugnahme auf das Montrealer Übereinkommen für Fluggastrechte mit Fristsetzung 12. Mai hält Air Berlin an der Methode „Aussitzen bis der Arzt kommt“ fest.

Heute morgen war ich beim Rechtsanwalt. Ich habe Klage eingereicht. Das erste Mal in meinem Leben. Ich werde berichten wie es ausgeht.

Einige zusammenfassende Tipps:

  1. Gepäckverlust/-verspätung unbedingt sofort am Lost & Found Schalter melden, Property Irregularity Report (PIR) ausfüllen und darauf achten, dass man eine Vorgangsnummer bekommt!
  2. Alle Belege (Baggage Tag – Gepäckanhänger, Belege für Ersatzbeschaffungen, PIR gut aufheben (Fotos machen)
  3. Gepäckverlust der Fluggesellschaft bis zum 5. Tag melden (Online Formular auf Airline Homepage).
  4. Ab dem 6. Tag beim Gepäckermittlungsdienstleister (Baggage Express für Air Berlin) Angaben zum Kofferinhalt machen. Achtung! Hierzu benötigt man die Vorgangsnummer aus 1.!!! http://worldtracer.aero/filedsp/ab.htm
  5. Wichtig! Wenn keine Schadensmeldung erfolgt ist, die Gepäckverspätung innerhalb von 21 Tagen (bei Gepäckbeschädigung 7 Tage) nach Aushändigung des Gepäcks schriftlich geltend machen, sonst entfällt der Anspruch auf Schadenersatz!
  6. Abwarten und Tee trinken oder gleich klagen…? It’s totally up to you! 🙂
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