Kunterbuntes Bushwick – 4 km Street Art vom Feinsten

Lange bevor Bushwick – dieser aufstrebende Stadtteil im Norden Brooklyns – Bushwick war, hieß es Boswijck – kolonialniederländisch für „Städtchen im Wald“. Offenbar inspirierte das üppig bewaldete Gebiet Gouverneur Peter Stuyvesant im Jahr 1661 zu dieser Namensgebung. Zuvor war es die Heimat des Lenape Stammes, der eigentlich ursprünglichen „New Yorker“. Die verkauften ihr Land für ein paar Werkzeuge, Kessel, Stoffe und Wampums (Ketten aus Muschelperlen, damaliges Tausch- und Zahlungsmittel der Ureinwohner) an die niederländische Westindien-Kompanie unter Generaldirektor Stuyvesant. Auf die amerikanischen Ureinwohner und Niederländer folgten französische, skandinavische und englische Siedler, dann Deutsche, Österreicher, Italiener, Afroamerikaner und Latinos. Auch die Schwerindustrie kam und verwandelte Ackerland und Wohnblöcke in Chemieanlagen und Lagerhallen.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war Bushwick der Inbegriff von Verfall und Armut.
Entladen hat sich die bereits satt angestaute Wut der von Armut gebeutelten Bevölkerung an jenem schicksalhaften Sommerabend vor über 40 Jahren. Am 13. Juli 1977 zerstörte ein verheerendes Gewitter eine elektrische Hauptschlagader, die ganz New York mit Strom versorgte und hüllte die Stadt in eine gespenstische Dunkelheit. Während andernorts anlässlich des Blackouts fleißig an der Steigerung zukünftiger Geburtenraten gearbeitet wurde, barst in Bushwick der Zorn der gesellschaftlichen Verlierer, derjenigen, die in der Gewinnergesellschaft keinen Platz hatten. Kurz nachdem die Lichter ausgingen kam es zu Ausschreitungen. Hunderte plünderten Läden, schleppten Sofas, Fernseher und was sie sonst noch ergreifen konnten heraus. Die Plünderungen waren das eine, aber auf einer Strecke von drei Meilen entlang der Hauptschneise zwischen Bushwick und Bedford-Stuyvesant, dem Broadway, begannen aufgebrachte Bürger alles zu zerstören, was sich ihnen in den Weg stellte. Bushwick brannte lichterloh, nachdem die Vandalen alles mitgenommen hatten, was nicht niet- und nagelfest war. Fast 3.800 Menschen wurden festgenommen. Aber schlimmer noch: Als der Qualm verflogen war, hat Bushwick seine Seele verloren. Ein kleiner Supermarkt, ein Farbenladen, ein Schuhgeschäft, ein Friseursalon… vernichtet in einer Nacht. Das Gebiet rund um die Hauptstraße wurde zu einer Geisterstadt. Viele Geschäfte öffneten lange Jahre nicht mehr. Und nach Einbruch der Dunkelheit hat sich in diesen düsteren Zeiten niemand mehr auf die Straße getraut.

Meine Gedanken kreisen um jene Geschichten, während ich mit dem L-Train hinaus nach Bushwick fahre – in ein neues Hipster-Mekka mit hoher Dichte an Streetart-Gurus?

Ich steige an der U-Bahn-Station Jefferson Street aus. Kaum jemand ist hier unterwegs. Ringsherum finden sich alte Lagerhallen, alles wirkt ein wenig heruntergekommen und dennoch ist der neue „Anstrich“ unverkennbar. Auf der Troutman Street werde ich mit den ersten Kunstwerken konfrontiert. Allen voran das Bildnis des 1997 ermordeten Rappers Notorious B.I.G., dann eine kunterbunte Totenkopflandschaft vor einer begrünten Dachterrasse, gefolgt vom Meister Dali mit messerscharfem oder irrem Blick?    Ich bin begeistert! Ich schlendere rechts in die Wyckhoff Avenue und dort oben am Gemäuer zappelt Donald Trump mit übergroßem Kopf und kleinen Gliedmaßen à la Humpty Dumpty. Zu allem Überfluss hat irgendein Vandale ihm noch einen Farbbeutel auf das Auge geschmissen. Oder war das so vom Künstler gewollt? Kreuz und quer stöbere ich mit wachsender Begeisterung durch Bushwick und entdecke schon hinter der nächsten Straßenecke ein neues Highlight. Besonders stark finde ich die Campbell Gumshoe Soup mit den zappelnden Frauenbeinen, die aus der Büchse ragen. Ich kann mich gar nicht sattsehen!

So viel Kunst an frischer Luft macht natürlich durstig und hungrig. Und auch hier hat Bushwick einiges zu bieten. Statt chic mag man es hier lieber cool, von Hipstern will man wenig wissen, genauso wenig wie von Kommerz. Noch! Shirts mit der Aufschrift Bushwick – ein Marketing-Catcher des mittlerweile ansässigen Urban Outfitters – wird mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen. Auch Bushwick-Art-Tours sind mittlerweile im Angebot. Das riecht faul nach Gentrifizierung. Aber irgendwie muss man auch in Bushwick von irgendetwas leben. Ob Hipster oder nicht.

Hier siehst du meine 4,5 km lange Bushwick Graffiti Tour mit zahlreichen Streetart-Kunstobjekten sowie Restaurant- und Bartipps kreuz und quer durch den spannenden Bezirk:

 

Viel Spaß wünsche ich dir bei deinen Entdeckungen auf meiner oder deiner ganz eigenen Bushwick-Arts-Tour!!!

Diese Tour durch Bushwick ist ein kleiner, gekürzter Ausschnitt eines Kapitels meines neuen Buches „Streifzüge durch New York“ mit vielen Reisegeschichten durch die Megametropole New York. Viel Spaß beim Lesen wenn du magst.
Dieses Mal bin ich im LIC Hotel untergekommen. Gebucht habe ich es wie meistens über
Booking.com. Das LIC Hotel befindet sich in Long Island City (Queens) und hat eine hervorragende Verbindung nach Manhattan (nur eine Station mit dem E-Train oder M-Train nach Manhattan Midtown). Das kleine Hotel ist gepflegt, liegt ruhig und ist vor allem gegenüber Hotels in Manhattan sehr preiswert. Frühstück ist hier inklusive (American Continental Breakfast. Außerdem hat es eine schöne Rooftop-Terrasse mit herrlichem Ausblick in Richtung Queensboro Bridge. Ein kurzer Spaziergang an den Hudson führt zum Gantry State Park mit dem berühmten Pepsi Sign. Überall schießen in diesem ehemals unattraktivem Gewerbegebiet kleine Restaurants und Cafés aus dem Boden. Wir haben uns hier super wohl gefühlt! Absolute Empfehlung!

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