Thailand

Ein Aufbruch ins Land des Lächelns

Wie aus einer Pauschalreise eine Selbstfahrerrundreise durch den Süden Thailands wurde

Hier gibt’s zunächst den Überblick der Reise: Von Khao Lag nach Phuket, auf die Phi Phi Inseln, in die Bucht von Phang Nga („James Bond Felsen“) und nach Krabi:

 

Im Jahr 2008 hatten wir uns relativ kurzfristig entschieden, die „Seiten“ zu wechseln und nach unseren Urlauben in die USA nun einmal der aufgehenden Sonne entgegenzufliegen. Unser Ziel war Thailand. Über drei  Jahre nach dem verheerenden Tsunami hatten wir eben jenen Teil Thailands bereist, der durch die Naturkatastrophe furchtbares Leid erfahren hat: Die Westküste Thailands an der Andamanensee. Dies war einerseits eine Zeit, in der Trauer und Schock noch groß waren, aber die Thai dennoch wieder nach vorne schauen wollten und irgendwie auch mussten. Die Menschen, die geblieben sind, hatten ihre Häuser und Geschäfte langsam wieder aufgebaut und einen mutigen Blick in die Zukunft gewagt, auch wenn alles ringsherum noch an dieses furchtbare Unglück erinnerte. Die ersten Hotels hatten hoffnungsvoll wiedereröffnet. So auch das Baan Khao Lak, das wir für die Zeit vom 22.06. – 06.07.2008 über Meiers Weltreisen pauschal gebucht hatten, weil wir nicht wirklich wussten, wie es um die Infrastruktur in diesem Teil Thailands bestellt sein würde. Für die 2 Wochen 2008 hatten wir pro Person 1.044 € mit Frühstück bezahlt, ein undenkbar günstiger Preis. Zugegebenermaßen, der europäische Sommer ist die Periode der Regenzeit an der Andamensee, die meisten Touristen kommen daher im Winter. Regenzeit heißt nun aber nicht, dass es den ganzen Tag wie aus Eimern gießt, sondern dass es durchaus lange trockene und sonnige Phasen gibt, die für ein bis zwei Stunden durch heftigen Regen unterbrochen sein können. Können! Nicht müssen! Der Vorteil während der Regenzeit zu reisen ist zweifelsohne, dass es viel weniger Touristen in diesen Teil Thailands zieht und daher ein entspannter, individueller Urlaub möglich ist. In Khao Lak muss man sich allerdings darüber bewusst sein, dass aufgrund der unruhigen See die schönen vorgelagerten Surin- und Similaninseln nicht erreichbar sind. Ich bin viermal in Thailand gewesen, jedes Mal im Sommer, und hatte bis auf wenige Tage immer wunderschönes Wetter gehabt. Und selbst die Zeit schlechten Wetters hat in Thailand in vielerlei Hinsicht etwas Einzigartiges – aber dazu später.

Khao Lak – Nang Thong Beach

Vom Flughafen Phuket nach Khao Lak sind es ca. 1,5 Stunden Fahrtzeit. In unserem im Jahre 2006 wiedereröffneten Hotel waren neben uns lediglich vier weitere Gäste eingebucht. Wir hatten das Hotel und den Strand also so gut wie für uns allein. Die neue Anlage mit dem gepflegten tropischen Garten liegt an einem besonders schönen Abschnitt von Khao Lak, dem Nang Thong Beach. Leider hatte es das Wetter in diesen ersten Tagen tatsächlich nicht besonders gut mit uns gemeint. Der Südwestmonsun, der von Mai bis Oktober, insbesondere aber in den Monaten August und September immer wieder starke Regenfälle mit sich bringt, hatte in den ersten 3 Tagen über Khao Lak regelrecht gewütet.

Khao Lak - Nang Thong Beach
Khao Lak – Nang Thong Beach

Die Andamanensee war aufgewühlt und immer wieder kündigten bedrohlich grauschwarze Wolkenwände über dem Meer starke Unwetter an. Ein erster Strandspaziergang war nicht nur deswegen bedrückend. Badeschlappen am Strand, die das Meer irgendwann nach dem Tsunami wieder an Land gespült hatte sowie zerstörte Hütten und Häuser ließen erahnen, welche zerstörerische Naturgewalt hier eingewirkt hatte. Schilder mit „Land for sale“ wiesen darauf hin, dass viele den Wiederaufbau mieden und ihre Grundstücke lieber Investoren anboten. An den Stämmen der Palmen hingen als Zeichen der Trauer und der liebevollen Erinnerung laminierte Fotos von Menschen, die hier einst ihr Leben lassen mussten.

 

Gedenkstätte Nang Thong Beach
In Gedenken an einen geliebten Menschen – Nang Thong Beach

Mit Orchideenketten waren sie frisch dekoriert und ich habe mich gefragt, ob dieser Trauerschmuck von den Thai oder den Verwandten liebevoll gepflegt wurde. Begleitet von vielen handgemalten Herzen und Sternchen stand unter dem Bild einer jungen Schwedin: „Vi tänker pa dig och saknar dig varje timme, minut, sekund… du finns i vara hjärtan för alltid – Vi Älskar Dig“ – „Wir denken an dich und vermissen dich jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde… Du wirst für immer in unseren Herzen sein. Wir lieben Dich.“ Dieser erste Strandspaziergang schnürte uns die Kehle zu und löste große Traurigkeit in uns aus. Hatten wir uns wirklich richtig entschieden, hierher zu kommen? Hätten die Menschen nicht einfach doch noch mehr Zeit gebraucht, bis die Touristen wieder hier einfallen? Zum ersten Mal hatte ich einen Hauch einer Idee, was hier tatsächlich passiert war, ohne es natürlich überhaupt genauer gedanklich fassen zu können. Ich war hin- und hergerissen. Die Evakuierungskarte am Strand mit dem Pegelpfeiler des Wasserstandes von damals führten uns dann nochmals brutal vor Augen, welche wahnsinnigen Naturkräfte hier gewütet hatten.

Polizeiboot 813
Polizeiboot 813

Das berühmte Polizeiboot 813, welches 1km in das Landesinnere gespült wurde, ist ein weiteres Zeugnis der zerstörerischen Wassermassen des 26. Dezembers 2004. Das Laguna Resort links neben unserer Anlage lag zerstört inmitten eines Sees, der sich dort durch die Wassermassen gebildet hatte. Es blühten hierin Seerosen, was fast wie ein versöhnliches Zeichen der Natur erschien. Überall gab es solche kleinen Zeichen der Hoffnung: Am Strand wurden hübsche Geisterhäuschen aufgestellt, die den Seelen Zuflucht bieten, sie aber auch durch verschiedene Gaben milde stimmen sollen. Auch winzige, zarte Palmen, die aus angespülten Kokosnüssen neu erwuchsen, waren – jede für sich – ein tröstendes Zeichen.

Geisterhäuschen am Strand
Geisterhäuschen am Strand
Dschungelbewohner
Dschungelbewohner

Für den Nachmittag nahmen wir uns einen Ausflug in den Dschungel vor. Mit riesigen Regenschirmen machten wir uns also auf und Fauna und Flora bestaunt. Der Regenwald entfaltet sein sattes Grün in der Regenzeit ganz besonders stark. Leider hatten wir aufgrund der Nässe auch eine Begegnung der nicht so angenehmen Art gemacht. Nachdem unser Pfad durch einen Bach führte, den wir durchwaten mussten, trauten wir unseren Augen kaum: Unsere Beine waren mit Blutegeln übersäht! Die meisten haben sich noch nicht besonders stark festgesaugt, so dass wir sie noch relativ leicht wegschnipsen konnten. Ein besonders hungriger Kamerad hat an Schatzis Bein jedoch nach brachialer Beseitigung eine triefende Blutspur hinterlassen. Nun ja, mein Bedarf an Dschungelausflügen war zunächst einmal gedeckt und wir haben zur Aufheiterung an einem kleinen Restaurant gehalten und ein leckeres Massaman-Curry genossen.

Papayasaft und frische Kokosnuss - ein kleiner Vitaminschub
Papayasaft und frische Kokosnuss – ein kleiner Vitaminschub

Nachdem wir uns zum Nachtisch mit einem frischen Papaya- und einem Kokosnussaft verwöhnt hatten, sind wir dann auf den Markt in Lam Kaen gefahren, der südlich von Khao Lak auf dem Weg zum Thap Lamu Pier liegt. Von Thap Lamu aus starten während der Saison die Bootstouren in das Tauch- und Schnorchelparadies der unbewohnten Similan Inseln. Der Nationalpark Mu Ko Similan ist von Mai bis Oktober aufgrund des Wellenganges geschlossen. Auch soll sich in dieser Zeit das Naturschutzgebiet wieder regenerieren. Aus diesem Grund konnten wir leider keine Schnorcheltour buchen. Dies ist übrigens einer der wenigen Nachteile, wenn man in der Nebensaison an die Andamanensee reist. Der Tsunami hat im Mu Ko Similan Nationalpark schätzungsweise ein Drittel der Korallenbänke zerstört. Dieses erschreckend große Maß an Zerstörung ist jedoch geringer, als man aufgrund der Wucht des Tsunamis geschätzt hatte.

Der kleine, lebhafte Markt in Lam Kaen mit seinen exotischen Gemüse- und Obstständen sowie den vielen Garküchen war noch einmal ein kurzes Abtauchen in den Alltag der Thai. Ich fragte mich ständig, welche leckeren Speisen wohl von den Käufern der mir zum größten Teil unbekannten Zutaten zubereitet werden würden. Lustig war es, wenn die Einheimischen staunten, dass wir von den andersartigen Früchten fasziniert waren und begannen zu lächeln als sie die Fragezeichen in unserem Gesichtsausdruck erkannten. Ich bin mir sicher, dass sie uns gerne erklärt hätten um was es sich hier und da handelte, wenn man sich hätte verständigen können. Heftige Schauer und ein völlig aufgeweichter, schlammiger Boden haben uns dann allerdings veranlasst, den Markt relativ schnell wieder zu verlassen.

Baan KhaoLak
Nang Thong Beach – Baan Khao Lak

Nachmittags kam die Sonne heraus und das erste Mal zeigten sich der Strand und die Hügel im Hinterland in seiner vollen Schönheit. Nur wenige Menschen waren am Strand. Es hatten sich also nur einige wenige Thailandfans entschlossen, wieder nach Khao Lak zu reisen. Entsprechend wenig war auch in den umliegenden Läden, Massagehütten und Restaurants los. Abends zogen wir dann hungrig los, um ein Restaurant ausfindig zu machen, in dem wir leckere Thaispezialitäten probieren konnten.  In einem kleinen Restaurant an der Durchfahrtstraße mit einer einladenden Holzterrasse flackerte das Licht eines Fernsehers aus dem hinteren Wohnbereich. Wir zogen unsere Schuhe vor der Terrasse aus und besetzten als einzige Gäste einen der Tische. Wenn es auch nichts zu essen geben würde, so dachten wir, könnten wir hier vielleicht doch ein eisgekühltes Bier bestellen.

Restaurant in Khao Lak
Restaurant in Khao Lak

Wir saßen keine Sekunde, da eilte aus dem hinteren Wohnzimmer die gesamte Familie, die eben noch gemütlich vor dem Fernseher lag, hervor und begrüßte uns freundlich. Strahlend wurde uns eine englische Karte gereicht und eine dieser wirklich effektiven Mückenspiralen unter unserem Tisch angezündet, damit wir nicht gestochen würden. 10 Stk. Anti-Mücken Spirale Moskitospirale Insektenspirale Duft Räucher Spirale

Wir bestellten uns zwei verschiedene Thai-Currys, zwei Cocktails und zwei Singha. Da die Gerichte in Thailand sehr klein sind, aber auch nur zwischen 1,50 € und 3,00 € kosten, bestellte Schatzi dann noch einmal nach. (Inzwischen bestellt er in Thailand immer sofort zwei Hauptspeisen, damit der Magen auf keinen Fall durch eine vorübergehende Untätigkeit Getriebeschäden annimmt!). Lieber Himmel, war unser Essen einfach nur überirdisch lecker! Hier kamen nur frische einheimische Zutaten auf den Speiseplan und sofort dachte ich wieder an unseren Marktbesuch. Die besonderen thailändischen Gemüse, Kräuter und Gewürze werden hier in einfachen Gerichten zu einem Geschmackserlebnis der besonderen Art kombiniert. Unsere Gastgeber merkten genau, wie sehr es uns geschmeckt hatte und lächelten immer wieder unglaublich herzlich zu uns herüber. Wir fühlten uns super aufgehoben in dieser herzlichen Atmosphäre, die ich hier in Thailand kennen und lieben gelernt habe. Wir verabschiedeten uns respektvoll mit einem „Wai“ von unseren Gastgebern. Der Wai ist die traditionelle Form des Grußes, der Verabschiedung, des Dankes oder aber auch der Entschuldigung. Dabei werden die Handflächen eng am Körper und senkrecht aneinanderliegend mit den Fingerspitzen nach oben gehalten. Der Kopf wird dabei gleichzeitig leicht geneigt. Die Hände werden irgendwo zwischen Oberkörper und Kopf gehalten. Je höher die Hände gehalten werden und je stärker der Kopf geneigt ist, umso höher ist der Respekt, der dem Anderen gegenüber zum Ausdruck gebracht werden soll. Der traditionelle Wai unterscheidet immer noch zwischen einer sozial niedrig gestellten und einer sozial höher gestellten Person. Dabei bleiben bei Gleichrangigkeit die Hände in Brusthöhe unterhalb des Kinns. Gegenüber sozial höher gestellten Menschen erreichen die Fingerspitzen die Nase. Mönchen und Buddha-Abbildern wird die höchste Ehrung zuteil. Hier befinden sich die Fingerspitzen beim Wai in Stirnhöhe. Es ist in Thailand nicht üblich Dienstpersonal, Taxifahrer und andere Personen sozial niedrigerer Herkunft mit einem Wai zu begrüßen. Man erwidert den erhaltenen Gruß auch nicht. Wer den Gruß trotzdem erwidert, kann die Thai stark in Verlegenheit bringen. Hier ist ein freundliches Nicken gepaart mit einem Lächeln die beste Antwort. Der Wai ist also eine kleine Wissenschaft für sich und man kann als Ausländer dabei eine Menge falsch machen. Man geht allerdings mit uns „Farangs“ und unseren Bemühungen, den Wai anzuwenden, sehr respektvoll und offen um. Immer werden diese Versuche mit einem Lächeln belohnt.

Pool-/Strandbar Baan KhaoLak
Pool-/Strandbar Baan Khao Lak

Abends hatten wir uns dann an die kleine Poolbar mit Blick auf den Strand gesetzt, um den Abend bei Meeresrauschen ausklingen zu lassen. Wir waren wieder einmal die einzigen Gäste und wurden gleich wieder fürsorglich mit Knabberkram als Begleiter zu unseren Getränken versorgt. Über der Andamanensee setzte langsam die Dämmerung ein und wir kamen mit unserem Barkeeper ins Gespräch. Wir plauderten mit ihm gerade über das derzeitige Wetter, als er plötzlich hektisch hinter dem Tresen hervor rannte und die schweren, durchsichtigen Plastikvorhänge um die kleine Bar herum zuzog. Der Grund hierfür wurde uns nur kurze Zeit später eindringlich vor Augen geführt! Über der Andamanensee hatte sich eine riesige dunkelgraue Wand zusammengebraut, die sich nun bedrohlich auf uns zu bewegte. Es dauerte keine 3 Minuten, da verdunkelte sich der Himmel schlagartig und die Wassermassen prasselten gegen die Plastikplanen. Um uns herum entstanden in Sekunden riesige Wasserlachen. Flucht zwecklos! Hier in der Bar waren wir vor dem Monsunregen gut geschützt und so unterhielten wir uns weiter mit Chookiat, unserem Barkeeper, der hervorragend Englisch sprach. Immer wieder bestätigte er uns, dass es toll ist, dass wir nach Thailand gekommen sind und er es bedauert, dass nicht viel mehr Touristen wieder in sein Land kommen und damit zum Aufbau nicht nur der Häuser sondern auch der Zuversicht beitragen. Ich versuchte ihm meine Gedanken vom Vortag zu erklären und warum letztendlich auch wir gezweifelt hatten. Er hielt kurz inne und nickte uns dann anerkennend zu. Dann beschrieb er uns, wie die Anlage vor dem Tsunami aussah und erklärte, dass der Pool doppelt so groß war. Er wies auf eine Palme am Rande des Pools. „Seht ihr die Palme dort? Das war die Mitte des Pools!“ Er erzählte uns aber auch, dass viele Thai von hier weggegangen sind und dass viele hier nicht mehr leben und arbeiten wollten, weil sie Angst vor den Geistern haben, die das Meer vor einigen Jahren zu sich geholt hatte. Wir nickten und schwiegen lange. Sofort brachte uns Chookiat auf andere Gedanken und begann von unserer deutschen Fußballelf zu schwärmen. Er konnte tatsächlich alle deutschen Spieler der vergangenen WM aufzählen! Am liebsten mochte er Schweinsteiger! Danach lobte er unsere Autos im großen Stil und meinte, dass jeder, der es in Thailand zu etwas gebracht hat und mithin das nötige Kleingeld gescheffelt hat, ein deutsches Auto fahren sollte! Ganz besonders begeistert war er von BMW und Audi. Was für Menschen! Sie bemerken das Stimmungstief ihres Gegenüber und schon bringen sie dich mit ihrer Begeisterungsfähigkeit auf ganz andere Gedanken. Noch lange saßen wir mit unserem sympathischen Barkeeper zusammen, bis sich der Monsun endlich ausgetobt hatte. An diesem Abend nach dem sehr intensiven und sehr offenen Gespräch mit Chookiat hatte ich erstmals das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Auch der nächste Tag wurde immer wieder von schlimmen Regenfällen heimgesucht, so dass wir ziemlich bedröppelt am Frühstückstisch saßen und trotzdem versuchten, gut gelaunt Pläne für den Tag zu schmieden. Aber erst einmal wurde uns zu unserer großen Freude das Frühstücksmenü gereicht. Es gab verschiedene Eiergerichte und leckere Thaigerichte mit Nudeln oder Reis. Ich bestellte ein vegetarisches Omelette, Toast, Kaffee und frisch gepressten Papayasaft. Schatzi bestellte, nachdem sein Magen in der Nacht doch arg mit ihm gesprochen hatte zu meinem großen Schreck: Eine Scheibe Käse! Nun wird manch einer meinen, wieso mich das fast vom Stuhl geworfen hatte. Auch Schatzi blickte ganz unschuldig drein. Natürlich trinken die Thai normalerweise weder Milch, noch essen sie Käse. Und auch wenn dies in unseren Kulturkreisen und natürlich zwischenzeitlich auch in jedem internationalen Hotel in Thailand Standard darstellt, war es seinerzeit in dieser Gegend undenkbar. Unser Kellner entschuldigte sich freundlich, dass er leider keinen Käse anbieten kann. Schatzi bestellte sich dann ein „magenberuhigendes“ Thaigericht mit Reis. Seither ist er dann richtig auf den Geschmack gekommen und bestellte die Karte mit den Thai-Gerichten von nun an schon morgens rauf und runter. Über die Käsefrage hatte ich ihn natürlich direkt aufgeklärt. Und so war das Käsethema zunächst einmal abgehakt und wir wandten uns unserem Ausflugsplan zu. Nach dem Frühstück wollten wir nach einem kleinen Mietwagen Ausschau halten um die Gegend zu erkunden. So zogen wir also mit unseren überdimensionierten Regenschirmen in den kleinen Ort und mieteten für 1 Woche einen kleinen Wagen bei Hertz. Am späten Nachmittag machten wir uns dann im strömenden Regen mit dem Auto auf zum kleinen Supermarkt im Ort, um ein paar Dinge einzukaufen. Schatzi parkte vor dem Markt und da standen wir nun erst einmal, ohne uns zu trauen auszusteigen. Um uns herum war Land unter. Der Starkregen prasselte wie aus einem gigantischen Dampfstrahler auf uns runter. Natürlich hatten wir vergessen die Hotelschirme einzupacken. Die hätten aber ohnehin nur die totale Durchnässung verhindern können. Wenn wir jetzt gingen, dann wären wir nass bis auf die Unterhosen. Schatzi, ganz Gentleman, schlug vor, alleine in den Supermarkt zu rennen, um das Nötigste einzukaufen. Ich war begeistert! So konnte ich trockenen Fußes im Auto bleiben. Dann hatte ich allerdings doch etwas Mitleid. Der Arme! Er rannte los und erreichte klatschnass den Eingang und verschwand daraufhin im Supermarkt. Es dauerte keine zwei Minuten, da kam er, flankiert von zwei, mit überdimensionalen Regenschirmen bewaffneten, Kassiererinnen wieder heraus. Schatzi und die beiden Mädels grinsten schon von weitem und huschten auf mich zu. Das Dreiergespann war tatsächlich gekommen, um mich gut geschützt aus dem Auto zu holen! „Sie trauen mit wohl nicht zu, dass ich ohne meine Frau alleine einkaufen kann. Ich stand wohl zu lange ratlos vor den Keksen“, lachte Schatzi. Und so konnten wir dann doch noch, unter dem wohlwollenden Blick der zwei lieben Supermarktkassiererinnen, gemeinsam einkaufen. Das war wirklich supersüß!

Abends ging es dann zu einem kleinen Restaurant auf der Anhöhe am Südende des Strandes von Khao Lak, kurz vor dem Baan Krating Resort gelegen. Dies ist auch der Hügel, auf den sich viele Menschen vor dem Tsunami retten konnten. Von dem kleinen Fischrestaurant „ร้านอาหาร ม่วนหลาย“ („Restaurant, in dem viele Spaß haben“), auch „Muanlai“ genannt, hat man einen wunderschönen Blick über die Andamanensee und über den Nang Thong Beach. Besonders zum Sonnenuntergang ist dies ein toller Ort. Wir waren wieder die einzigen Gäste. Die Karte war herrlich übersichtlich, ein sicheres Indiz dafür, dass hier alles frisch auf den Tisch kommen würde, wie so oft in Thailand. Es gab genau sechs Gerichte: Den typischen gebratenen ganzen Fisch mit Knoblauch und Pfeffer (280 Baht), gedünsteten Fisch mit scharfer Zitronensauce (280 Baht), gebratene Garnelen mit Tamarindensauce (180 Baht) und für Nichtfischesser den berühmten scharfen Papayasalat (120 Baht), eine Kokosnussmilchsuppe mit Hühnchen (90 Baht) und gegrillte Schweinerippchen (90 Baht). Fischgerichte sind auch in Thailand relativ teuer. Das Fischgericht kostete seinerzeit ca. 6 €. Ich habe mich für den Knoblauch-Pfeffer-Fisch entschieden und Schatzi hatte Lust auf die Garnelen mit Tamarindensauce. Die junge Bedienung kam mit Zettel und Stift bewaffnet und nahm unsere Bestellung auf, um dann mit ihrem bezauberndsten Lächeln zu erwidern, „Sorry, no fish today!“ Schatzis prawns stellten kein Problem dar, aber der Fisch war eben aus. Das war unmissverständlich. Pech! Ich verbarg meine Enttäuschung ebenfalls hinter einem Lächeln und antwortete freundlich mit „No Problem“. Sie ließ mir Zeit noch einmal in die Karte zu schauen und kümmerte sich erst einmal um die Getränke. Wir hatten natürlich wieder ein Singha und frische Säfte bestellt. Nach einer Weile kamen unsere frisch gepressten Säfte. Hinter der Bedienung sahen wir einen Mann die Treppe vom Meer hinaufeilen. Er hielt eine wasserbefüllte, durchsichtigen Plastiktüte in der Hand. In der Tüte schwamm… ein Fisch! Der Mann und die Bedienung grinsten um die Wette und es hieß einstimmig: „We have fish again!“ Wir mussten alle zusammen spontan lachen und ich freute mich diebisch. Ich bekam tatsächlich worauf ich so großen Appetit hatte: Frischen Fisch mit Knoblauch und Pfeffer! Frischer ging es nun wirklich nicht mehr und leckerer übrigens auch nicht!

Nach diesem wundervollen Abend und einem Drink an der Strandbar konnten wir seelig schlummern. Es hatte mittlerweile sogar aufgehört zu regnen und so freuten wir uns am nächsten Tag die Gegend zu erkunden. Doch schon am nächsten Morgen prasselte der Regen wieder auf uns ein. Schatzi wollte gerade sein kao phat gung (Bratreis mit Krabben) bestellen als unser Kellner mit einem Unterteller auf der Hand balancierend auf uns zu sauste. Auf dem Teller lag, angerichtet auf einer Serviette: Eine Scheiblette! Schatzi bedankte sich gefühlte tausend Male, wusste er doch jetzt, dass Käse hier etwas ganz Besonderes ist, da er schwer zu bekommen ist. Was für Herzensmenschen!

Mit Mietwagen und Fähre nach Koh Samui

Da die einzelnen heftigen Schauer sich mittlerweile die Klinke in die Hand gaben und nur wenige sonnige Abschnitte zuließen, trafen wir einen Entschluss: Wir treten die Flucht an und fahren mit dem Auto quer durch Thailand zum Golf von Siam und setzen vom Donsak Pier in Surat Thani mit der Fähre nach Koh Samui über! Dort, wollte man dem Wetterbericht Glauben schenken, gäbe es Sonne satt. Die Inseln Koh Samui, Koh Phangan und Kho Tao im Golf von Thailand stehen im Sommer unter ganz anderen Wettereinflüssen als die Andamensee. Die Regenzeit setzt hier viel später ein, so dass man erst ab November mit starken Regenfällen zu rechnen hat. Wir packten also unsere Rucksäcke und verließen mit unserem Auto die Anlage. Dreieinhalb Stunden sollte die Fahrt quer durch die Provinzen Phang Nga, Krabi und Surat Thani dauern. Die Fahrt war abenteuerlich! Das Fahren auf den Straßen Thailands war nicht nur durch den Linksverkehr gewöhnungsbedürftig, das Gewusel von Mopeds und Autos folgte gewissermaßen dem Chaosprinzip. Bei diesem für uns ungeordneten Gedränge insbesondere in Städten musste man auf alle Situationen gefasst sein. Es fuhren Mopeds links und rechts an uns vorbei, um sich dann in die noch so kleine Lücke vor uns zu drängen und damit einige Meter gewonnen zu haben. Aus den Seitenstraßen schnellten Fahrzeuge heraus, die uns zu Vollbremsungen veranlassten. Auf der Autobahn kamen uns manchmal sogar Autos auf unserer Fahrbahn entgegen, weil es für sie zur nächsten legalen Auffahrt länger gedauert hätte. Mopeds fuhren ohne Licht, manchmal mit einer vierköpfigen Familie beladen und nicht selten hielten diese dann zudem auch noch Hühnerkäfige aus Holz oder Bambus in der Hand. Schatzi hatte Mühe durch die Straßen zu navigieren, er wollte schließlich die Mopedfahrer nicht gefährden. Ich muss sagen, er hat seine Sache toll gemacht und ganz ernsthaft: Ich hätte mir das nicht zugetraut!

Buddhistische Gebetsstätte
Buddhistische Gebetsstätte

Auf den ruhigen Landstraßen im Landesinneren fuhr es sich dann weitaus entspannter. Mitten in der bewaldeten Karsthügellandschaft des Naturparks haben wir dann bei einem kleinen Tempel gestoppt, auf denen Affen fleißig herumkletterten. Eine große Buddhafigur steckte in einem riesigen Käfig und wurde so vor den Primaten geschützt. Es sah hier aus wie an einem verwunschenen Ort. Ein Weg führte durch einen Felsentunnel zu einer Gebetsstätte unter wildwachsenden Bäumen, von denen Lianen herunterhingen. Ringsherum waren wir umgeben von steilen Felswänden und über uns braute sich mal wieder dunkler Himmel zusammen. Kein Mensch war weit und breit zu sehen.

Unfreiwillige Endstation auf dem Weg nach Surat Thani
Unfreiwillige Endstation auf dem Weg nach Koh Samui

 

Als wir später auf der Landstraße weiterfuhren, kam der Verkehr vor uns plötzlich zum Erliegen. Na prima! Ein Lastwagen lag quer über die gesamte Breite der Straße und hatte seine Holzladung verloren. Überall lagen Bretter auf der Straße! Ein Durchkommen war unmöglich und es würde wahrscheinlich noch Stunden dauern bis man hier wieder passieren konnte. Wir stießen also zurück und versuchten eine Umgehung auf der Karte ausfindig zu machen. Und das war tatsächlich noch Handarbeit! Ein Navi stand uns nicht zur Verfügung, aber irgendwie kamen wir letztendlich doch am Donsak Pier an. Und wir hatten Glück! Schon wenig später konnten wir auf die Fähre fahren. Stündlich legen die Fähren von Donsak nach Samui ab. Sie benötigen für die Überfahrt einundhalb Stunden. Die Raja-Ferries fahren zum Nathon Pier und die Seatran-Ferries zum Lipa Noi Pier, beide an die Westküste von Koh Samui. Mittlerweile kann man auch bequem Fährtickets vorbuchen über

http://www.seatranferry.com/en/services/ticket.php oder http://www.rajaferryport.com/?act=p&title=fare

Raja Ferry
Raja Ferry

Man kann online vorbuchen und direkt mit Kreditkarte oder auch später vor Ort in cash bezahlen. Die Überfahrt mit dem Auto kostet inklusive Fahrer 420 Baht (seinerzeit 360 Baht), also nach Stand vom Juni 2016 ca. 11 €. Ein Passagier kostet 130 Baht, also 3,50 €, es sei denn der Passagier ist Mönch, Buddhist Novize, Schüler/Student in Uniform oder ein Kind zwischen 1m und 1,50m Körpergröße. Diese Passagiertypen zahlen nur die Hälfte. Wir besorgten unsere Tickets direkt am Counter und reihten uns ziemlich weit hinten in eine lange Schlange ein. Spannend würde sein, ob wir noch auf die Fähre passen würden. Aber es war tatsächlich noch Platz für uns! Als eines der letzten Autos fuhren wir auf. Man glaubt ja gar nicht wie viele Fahrzeuge diese Fähren aufnehmen können. Ein mulmiges Gefühl hatte ich dann doch, denn die Fähren sehen nicht gerade  wie 5-Sterne-Kreuzfahrtschiffe aus und auch der Ausspruch „Der erste Lack ist ab“ wäre stark untertrieben. Mein Eindruck war eher, dass es diese Fähren nur mit unglaublichen Glück schaffen konnten, Koh Samui zu erreichen. Schatzis Blick sprach auch Bände und wir konnten uns das eine oder andere hilflose Grinsen nicht verkneifen. „Na ja, wird schon gutgehen“, brachte Schatzi die wilden Gedanken auf einen klar sortierten Nenner. Ich hätte gerne jemanden die Frage gestellt, nach wie vielen Metern die Fähre in zwei Teile brechen würde und ob das netterweise so schnell ginge, dass ich noch locker die Möglichkeit haben würde, wieder ans rettende Ufer zu schwimmen.

Ich musste nicht schwimmen. Mein Vertrauen zu rostigen Fähren war wieder in ein realistisches Verhältnis gerückt und wir fuhren mit unserem Mietauto zu dem Strand, den ich 1994 zum letzten Mal gesehen und in schöner Erinnerung hatte, den Chaweng Beach. Das Wiedersehen war ernüchternd. Die unbefestigte Ringstraße, auf der man entlang einsamer Strände die Insel umrunden konnte, ist einer lärmigen Hauptstraße gewichen, die von zahlreichen Souvenir- und Klamottenläden und internationalen Restaurants gesäumt ist. Die kleinen Garküchen, einfachen Restaurants und Hippie-Bars sind verschwunden, Palmen mussten den riesigen Hotelanlagen und Pools weichen. Früher waren die kleinen Hütten in den Palmenhainen versteckt, heute dominieren stylische Hotelanlagen, von weniger bis ganz schön luxuriös. Die Schönen, Reichen und ganz schön Reichen finden hier ihr Eldorado genauso wie die Partyszenen-Hipster. Ein Mega-Partyzentrum am nördlichen Abschnitt des Chaweng Beaches ist entstanden und es wummert am Strand aus den Boxen der umliegenden Clubs und Bars. Lärmende Jetskis und kreischende Menschen auf Banana Boats stören die Idylle, die es hier längst nicht mehr gibt. Auf Mallorca wüsste ich was mich erwartet, aber hier … Nur die kleinen Massagesalons am Strand unter freiem Himmel – die sind geblieben und natürlich das wunderschöne Meer. Diese Erkenntnis kam jedoch erst im Jahre 2012 – während meiner 4. Thailandreise. Im Jahr 2008 war auf Samui kaum etwas los, was vielleicht aber auch daran lag, dass wir relativ früh im Jahr waren und die meisten Länder noch gar keine Ferien hatten. Außerdem hatten wir uns an einem besonders ruhigen, fern von diesem Trubel liegenden Strand niedergelassen.

Chaweng Noi Beach
Chaweng Noi Beach – Koh Samui

Am Chaweng Noi Beach, ein südlicher Strandabschnitt, der von dem restlichen Strand durch einen Felsvorsprung und einen kleinen Fluss getrennt ist, wurden wir fündig. Wir hielten am Imperial Samui Hotel und erkundigten uns an der Rezeption, ob noch ein Zimmer zu haben wäre. Die freundliche Empfangsdame bot an, uns das schönste Zimmer in der Anlage zu zeigen und fuhr uns prompt mit einem Golf Caddy durch die hügelige, dicht bewachsene Anlage. Wir hielten an und besichtigten eine wirklich traumhafte Suite mit Blick über den Pool auf das offene Meer zu einem akzeptablen Preis. Wir zögerten keine Sekunde und buchten uns für 2 Nächte ein. Es waren auch hier wieder nicht viele Gäste im Hotel, das an diesem traumhaften, wunderbar ruhigen Strandabschnitt liegt. Erstaunt war unsere „Chauffeurin“, als wir ihr erzählten, dass wir mit dem Auto aus Khao Lak kamen. „Farangs“ machen doch so etwas nicht, schien sie zu denken und als wir dann zudem noch „nur“ Rücksäcke aus dem Auto holten, war augenscheinlich ihr letzter Zweifel beseitigt. Sie lächelte und brachte uns in die offen gehaltene Rezeption auf einen Welcome-Drink! Und was soll ich sagen? Es war keine Wolke in Sicht! Die Sonne strahlte mit uns um die Wette. Mittlerweile ist das in die Jahre gekommene Imperial-Hotel von der Starwood Gruppe aufgekauft und grundrenoviert worden. Heute ist die beliebte Anlage ein 5-Sterne Sheraton-Hotel.

Lamai Beach
Lamai Beach – Koh Samui

Im Prinzip chillten wir einen ganzen Tag am Chaweng Noi Beach. Am nächsten Tag schauten wir uns auf der Insel noch ein wenig um und entdeckten weitere schöne Stellen. Der malerische Nachbarstrand Lamai-Beach hat noch etwas mehr seiner Ursprünglichkeit erhalten können, obwohl auch hier längst nicht mehr Hippies in Baumhütten für ein bis zwei Dollar am Tag übernachten. Der wunderschöne, palmengesäumte Strand und die Felskulisse sind geblieben. Wir waren hier toll essen, mit den Füßen im Sand! Herrlich! Wenn man will findet man auch auf der touristischen Samui-Insel noch einsame Abschnitte und viele kleine, familiengeführte Restaurants. Zurück im Hotel lagen wir dann wieder auf unserer Liege am Strand mit einem guten Buch und einem leckeren Cocktail. Das atemberaubende Meer hielten wir fest im Blick, als wenn es verschwünde, wenn wir nicht ständig hinschauten.

Versteckt im Palmenwald - das Imperial Samui
Versteckt im Palmenwald – das Imperial Samui
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Hotel Imperial Samui – heute: ein Sheraton – Hotel

Wir hatten unser kleines Paradies gefunden. Selbst die Strandverkäufer, die hier an unsere Liegen kamen, zogen sich sofort wieder zurück, als wir ihnen erklärten kein Interesse zu haben. Das haben wir jenseits von Thailand auch schon anders kennen gelernt! Die Thai haben wir allerdings immer als ein sehr stolzes Volk wahrgenommen, das unwahrscheinlich respektvoll mit anderen Kulturen und Religionen umgeht. Allein schon diese Tatsache macht Thailand unserer Meinung nach zu einem ganz besonderen Land, in dem wir uns immer willkommen und ausgesprochen wohl fühlen.

Nach 2 Tagen Samui hat es uns wie magisch zurück nach Khao Lak gezogen. Ich weiß nicht wirklich warum, denn eigentlich hatten wir alles, wonach wie uns gesehnt hatten: Tolles Wetter, Traumstrände, leckeres Essen, ein wenig „Back-to-the-Roots“ und ein bisschen Abenteuer. Vielleicht war es die Einzigartigkeit, die tolle Gastfreundschaft und die Freude über unsere Anwesenheit oder die intensiven, sehr persönlichen Gespräche mit Chookiat, die weit in über das hinausgingen, was man normalerweise mit seinem Barmann, den man gerade erst kennen gelernt hat, austauscht.

Baan KhaoLak
Baan Khao Lak

Wir kamen nach Khao Lak und konnten es nicht glauben. Die Sonne ließ unsere kleine Anlage an der Andamensee buchstäblich in einem völlig neuen Licht erscheinen. Wir erinnerten uns nur zu gut an die trüben Gedanken, die wir hier an unserem ersten Strandspaziergang hatten. Jetzt sah alles so freundlich und lebendig aus. Das graue Meer von vor ein paar Tagen glitzerte nun in allen Blautönen, die sattgrünen bewaldeten Hügel hinter der Anlage erstrahlten, die Sonne tauchte den Sandstrand in goldene Farbe. Wir kamen an der Rezeption vorbei und grüßten fröhlich mit einem Sawasdee-Kah (so sagen die Frauen) und Schatzi mit in einem Sawasdee-Krab. Die Rezeptionistin kam uns jedoch ganz aufgeregt, fast aufgelöst entgegen! Wir verstanden zunächst nicht weshalb! Und dann fiel es uns wie Schuppen von den Augen! Sie hatten sich Sorgen gemacht, als wir auch am zweiten Morgen nicht zum Frühstück aufgetaucht sind! Natürlich hatten wir uns nicht abgemeldet!  Wir hätten in Anbetracht der wenigen eingecheckten Gäste wissen müssen, dass es auffällt, wenn wir nicht zum Frühstück erschienen. Auf der einen Seite war es ein sehr schönes Gefühl, dass man wie in einer kleinen Familie einfach besorgt um uns war, auf der anderen Seite schämten wir uns aber auch unwahrscheinlich, weil wir so gedankenlos gewesen sind. Irgendwann lachten wir dann zusammen über die Situation. Wir mussten allerdings hoch und heilig versprechen, beim nächsten Ausflug kurz Bescheid zu geben.

Und dieser Tag kam! Wir waren ohnehin schon kleine Exoten in den Augen unserer Gastgeber, denn nur wenige ausländische Touristen wagen es hier, mit dem Mietauto auf Selbsterkundungstrips zu gehen. Man kann hier schließlich überall problemlos mit Pick up – Sammeltaxis, den Songthaews fahren oder sich für Kurzstrecken einen Motorroller leihen. Als wir wieder einmal mit unseren Rücksäcken zum Parkplatz schlenderten, meldeten wir unseren Tagesausflug an. Wir wollten zwar nicht über Nacht bleiben, aber wer weiß! Unsere Rezeptionistin freute sich, dass die Erziehungsmaßnamen bei uns greifen und wir nicht in die Kategorie „Beratungsresistenz“ gehörten. Sie wünschte uns lächelnd einen schönen Tag, bevor sich ihr Gesicht noch einmal mit Sorgenfalten überzog. „Please, take care!“ gab sie uns mit auf den Weg und wir winkten zustimmend zum Abschied.

Halbinsel Phuket

Unser Ziel war die Halbinsel Phuket. Vom Phuket Pier aus wollten wir eine ganztägige Bootstour nach Phi Phi Island unternommen. Leider kamen wir für die um 9:00 Uhr startenden Tagestrips zu spät an, so dass wir direkt vor Ort  eine Inseltour mit dem Speedboat für den nächsten Tag buchten. Den Tag konnten wir nun nutzen, um uns Phuket und seine Strände genauer anzuschauen. Zunächst sind wir zum Südzipfel der Halbinsel an den Nai Harn Beach gefahren. Dieser  Strand ist rückblickend betrachtet für uns einer der schönsten Strände Phukets. Ein Grund hierfür ist, dass der Nai Harn Beach für den klassischen Pauschaltourismus zu weit abgelegen liegt und daher sehr ruhig und beschaulich wirkt. Der helle, leicht geschwungene Strand liegt zwischen zwei Hügeln. Das saubere Wasser lädt zum Schwimmen und in Felsennähe zum Schnorcheln ein. Ein wahrer Hingucker! Bevor wir unsere Sightseeing Tour fortsetzten, mussten wir uns natürlich erst einmal bei leckeren Thaispezialitäten stärken. Das Coconut Cafe mit einladender Terrasse und fantastischem Blick über den Strand war da die erste Wahl!

Karon Viewpoint - Halbinsel Phuket
Karon Viewpoint – Halbinsel Phuket

Eine steile Bergstraße führt zu Phukets wohl berühmtesten Aussichtspunkt, dem Karon View Point. Von hier oben hat man in Richtung Norden eine wirklich grandiose Sicht über die sichelförmigen Strände Kata Noi Beach, Kata Beach und Karon Beach. Hinter der Hügelkette des letzten sichtbaren Strandes, dem Karon Beach, liegt der für sein Nachtleben berühmt berüchtigte Patong Beach, dem „Ballermann“ Thailands. Eine dicht befahrene Durchgangsstraße führt am Patong Beach entlang, vorbei an Bier- und GoGo-Bars, Restaurants, Hotels und Souvenirläden. Die meisten Hotels sind von dieser Straße vom Strand getrennt. Da wir in der Nebensaison und zudem nicht abends unterwegs waren, war es hier ausgesprochen ruhig und für diesen Ort der Megapartys fast beschaulich. Am wirklich traumhaften, 3,5 km langen weißen Strand war auch hier verhältnismäßig wenig los. Man kann sich daher sehr gut vorstellen, warum es die Pioniere des Pauschaltourismus einst hierher gezogen hat. Ich möchte mir allerdings nicht vorstellen, wie es hier in der Hauptreisezeit aussehen mag. Bilder sprechen da Bände. Wer in dieser Zeit kommt und sich beschwert hat allerdings selber Schuld oder eben ganz andere Absichten. An dieser Stelle komme ich um das Thema Sextourismus nicht herum. Natürlich ist der allgegenwärtig. Man sieht oft Thaifrauen mit Herren aller Altersstufen aus unserer westlichen Welt. Meistens handelt es sich dabei sicherlich nicht um die große Liebe, sondern um ein Geschäft auf Zeit. Phuket als Hochburg der käuflichen Liebe zu bezeichnen ist sicher verfehlt, gegen Pattaya und Bangkok ist Phuket ein Waisenkind in diesen Dingen. Aus diesem Grund Thailand im Allgemeinen und Phuket im Besonderen zu meiden, finde ich allerdings nicht wirklich konsequent. Sicher gibt es die eine oder andere Straße in Patong wie auch überall auf Phuket mit entsprechenden Lokalitäten. Ich meide aber auch Hamburg nicht, weil es dort die Reeperbahn gibt. Und: Die meisten Touristen kommen immer noch wegen der thailändischen Gastfreundschaft, der tollen Strände, des leckeren Essens und vor allem wegen des ganzjährig herrlichen Wetters!

Von einer Erhöhung am Nordzipfel der Küstenlinie konnten wir noch einmal auf Patong zurückblicken, bevor wir uns dann langsam wieder auf den Rückweg nach Khao Lak machen wollten. Aber wie es denn so ist, das Beste kommt meistens am Schluss.

Laem Singh Beach
Laem Singh Beach -Phuket

Ein paar Meilen weiter auf der erhöhten Küstenstraße konnte man an einem unscheinbaren Parkplatz halten. Von hier aus führt eine sehr steile Treppe durch einen Palmenwald zum Meer herab. Vor uns offenbarte sich ein idyllischer kleiner Sandstrand, der von beiden Seite von Felsen begrenzt und palmungesäumt war, der Laem Singh Beach. Unter Palmen waren einige wenige Liegen aufgestellt. Weiter hinten im Schatten lagen zwei kleine, mit Palmenwedeln gedeckte Hütten. Die eine diente als Bar und in der anderen konnte man sich eine Massage unter freiem Himmel mit Blick auf das Meer gönnen. Und genau in der Reihenfolge genossen wir das auch. Nach einem eisgekühlten Singha wurden wir dann nebeneinander liegend in der of Massagehütte eine Stunde lang professionell durchgeknetet. Schatzi hat sich eine Thaimassage genehmigt, während mich eine sanfte Ölmassage in das Reich der Träume befördert hat.

Laem Singh Beach-Idylle
Laem Singh Beach-Idylle

Wir wollten eigentlich vor Sonnenuntergang wieder in Khao Lak sein. Doch wer kann sich schon trennen, wenn über dem Horizont hinter dem neu entdeckten Traumstrand die Sonne bald untergehen wird? Wir sind geblieben und trotzdem nach zugegebenermaßen anstrengender Rückfahrt wieder gut in unserem Baan Khao Lak angekommen. Nun hieß es nur noch Daumen drücken, dass am nächsten Tag genauso schönes Wetter sein würde wie am heutigen, denn das Speedboat würde bei unruhiger See nicht fahren. Das war mein letzter Gedanke bevor ich am Ende dieses schönen Tages happy einschlief.

Sunset Laem Singh Beach
Sunset Laem Singh Beach

Inselwelt um Phi Phi Island

Der nächste Morgen war traumhaft! Gut gelaunt machten wir uns auf zum Frühstück, packten dann unsere Bade- und Schnorchelsachen, verabschiedeten uns von unserer lieben Rezeptionistin und starteten früh zum Sin Sangrat Pier in Phuket Stadt. Von hier aus ging es los auf unsere Phi Phi Island – Maya Bay – Khai Nui Island Speedboat Tour gebucht bei Rassada V.I.P. Auf dieser Internetseite mit seither stark ausgebautem Programm wird man fündig: http://www.pntphuket. Anstelle von 2.800 Baht für die Ganztagestour nach Prospekt haben wir nur 2.000 Baht zahlen müssen, also 40€ nach damaligem Stand. Inkludiert waren Lunch, Soft Drinks an Bord, Schnorchelequipment und ein englischsprechender Guide.

Es war ein Traumtag! Die See war ruhig und unser Bootstrip konnte tatsächlich stattfinden. Nach einem stärkenden Kaffee an der Sin Sangrat Pier fuhren wir dann auf das offene Meer in Richtung Phi Phi Island. Die senkrecht aus dem Meer ragenden, gigantischen Karstfelsen waren schon der erste Hingucker. Das mit Dschungel und Kokospalmen bewachsene Ko Phi Phi besteht aus zwei Inseln. Die traumhafte Insel Ko Phi Phi Don mit der berühmten schmalen Landbrücke, auf deren beider Seiten sich zwei halbrunde, schneeweiße Sandstrände formen, und die wild zerklüftete, unbewohnte Insel Ko Phi Phi Le. Unseren ersten Stop haben wir bei den Viking Caves auf Ko Phi Phi Le gemacht. In dieser Höhle nisten Seeschwalben, deren Nester unter halsbrecherischen Aktionen von Bambusgestellen aus gesammelt werden. Sie gelten in China als Delikatesse, weil man ihnen dort potenzsteigernde und lebensverlängernde Wirkung zuschreibt. Die Chinesen zahlen aus Grunde auch exorbitante Preise von 50.000 Baht (ca. 1.000 €) für ein Kilo. Jedes Jahr werden in dieser Höhle 200 kg geerntet.

Weiter ging es über die malerische Pileh Lagoon in die wunderschöne Loh Samah Bay mit steilschroffen Felswänden und türkisfarbenem, glasklaren Wasser. Mit Schnorchel und Maske ausgerüstet haben wir hier die Unterwasserwelt ergründet. Dies ist wirklich ein fantastisches Erlebnis! Loh Samah Bay zählt  zu den besten Spots der Gegend zum Schnorcheln und Nachttauchen mit wunderschönen Korallen, Muscheln und einer Fülle von Meereslebewesen. Eine dünne Kalksteinwand trennt die Bucht von der Maya Bay, die wir als nächstes ansteuern würden. Neben den vielen bunten Fische lag in 3 m Tiefe eine leuchtend blaue Riesenmuschel. Als Schatzi in Richtung Muschel abgetaucht ist, hat sie sich blitzschnell zusammengezogen. Diese fjordartige Bucht ist ein kleines  Paradies, wenn man denn früh genug hier ist. Denn wie so oft ist es hier so: Wo es schön ist, da lassen auch andere Entdecker nicht auf sich warten.

Um den Südzipfel von Koh Phi Phi Le fuhren wir weiter zur weltberühmten Maya Bay, in der Teile des Filmes „The Beach“ mit Leonardo diCaprio im Jahr 2000 gedreht wurden. Seither geht es in der traumhaften Bucht tagsüber nicht mehr wirklich beschaulich zu. Wer nicht entweder früh morgens oder schon später am Nachmittag in die Bucht kommt, kann sich die im Film gezeigte Traumkulisse nur mit sehr viel Fantasievermögen vorstellen, denn den ganzen Tag fallen hier die Longtails und Speedboote im Minutentakt ein. Ein besonderes Challenge ist für den Speedbootfahrer, noch eine Lücke am Strand zu ergattern, damit die DiCaprio-Fangemeinde auch trockenen Fußes an den Strand gelangen kann. Für die Touristen ist indes die Herausforderung, eines der buntgeschmückten Longtail-Boote so zu fotografieren, dass keiner der 300 Menschen, die sich an diesem Strand unkontrolliert zu Selfiezwecken in Pose werfen, das eigene Foto verschandelt. Ich habe es geschafft! Auf der Tour in 2008 wie auch im Jahr 2012 ist es mir gelungen, wobei 2008 wirklich nur wenige Boote in der Bucht lagen und man schon nachempfinden konnte, warum dieser romantische Ort einst für das Hollywood-Backpacker-Epos gewählt wurde. Leonardo DiCaprio wurde übrigens 2001 für seine schauspielerische Leistung für die Goldene Himbeere nominiert. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich beim ersten Besuch der Bucht noch nie etwas von dem Film gehört hatte. Dieser zweifelsohne unverzeihlichen Bildungslücke zum Dank war ich letztendlich aber auch nicht enttäuscht, sondern nicht nur aufgrund meiner Unvoreingenommenheit sehr angetan von der Schönheit dieser Bucht.

Longtail in der Maya Bay – „The Beach“
Monkey Bay
Monkey Bay – Phi Phi Island

Nach diesem kineastischen Ausflug verließen wir Koh Phi Phi Le und fuhren schnurstracks zur Monkey Bay auf Koh Phi Phi Don. Hinter dem schmalen weißen Strand erheben sich die Felsen steil in die Höhe. Ein Eldorado für Affen! Diese lassen sich allerdings keine Gelegenheit entgehen alles zu klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Wir hatten vom Lunch in der Ton Sai Bucht auf Koh Phi Phi ein paar Wassermelonenstücke mitgenommen, um die hungrigen Kletterkünstler damit zu beglücken. Es kamen auch direkt einige von ihnen von den Felsen herunter geklettert und gesellten sich fordernd zu uns. Die Wassermelonenstücke schienen ihnen so sehr zu schmecken, dass einer von ihnen ziemlich frech – wie ich finde – versucht hat, mir gleich die gesamte Tüte mit dem leckeren Proviant wegzureißen. Ich habe mich auf das Machtspiel natürlich nicht eingelassen und bereitwillig den Inhalt der Tüte rausgerückt. Ein kleiner Monkey hatte sogar ein winziges Baby am Bauch! Die junge Mutter wurde von uns natürlich besonders versorgt!

Nachdem wir ausgiebig am Strand von Khai Nok Island relaxt haben, mussten wir leider die Rückreise nach Phuket antreten. Müde von Sonne, Schwimmen und Schnorcheln sind wir an Bord eingeschlafen. Nicht alle waren so tiefenentspannt wie Schatzi und ich. Da die See etwas rauher wurde, haben einige mit Seekrankheit gekämpft. Der Blick in die blassen Gesichter sprach Bände und ich war heilfroh, dass zumindest dieser Kelch an mir vorübergezogen ist.

Tour in die Bucht von Phang Nga zum „James Bond Felsen“

Nach einem herrlichen Strandtag in Khao Lak packte es uns wieder und wir starteten auf einen neuen Abenteuer-Trip in den Ao Phang Nga Nationalpark. Unser Ziel war wieder eine berühmte Filmkulisse: Der Koh Ta-Pu – Nadelfelsen, viel besser bekannt als  „James-Bond-Felsen“. Normalerweise gibt es unzählige All-inclusive-Sorglos-Touren von Krabi oder Phuket hierher. Aber wir hatten ja unser Auto! Vom Highway 4 suchten wir in der Bucht von Phang Nga allerdings dann doch ziemlich lange nach einem kleinen Hafen, von dem die Ausflugsboote starten. An der ersten Pier am Bang Lam Fluss waren keine Longtails mehr an den Bootsanlegern. Alle hatten sich offensichtlich schon auf den Weg gemacht in die Bucht mit den über 100 Kalksteininseln, die in den letzten 100 Millionen Jahren durch Wind, Wetter, Strömungen und Erdverschiebungen so bizarr geformt wurden. Typisch! Wir waren leider zu spät! Ein paar Kilometer nördlich bogen wir schließlich in die Straße 4144 in Richtung Phang Nga Bay ein, um auch hier nach Booten Ausschau zu halten. Wir fuhren so frohen Mutes die Straße entlang, als neben uns ein Thai auf einem Moped auftauchte und zu uns herüber winkte. Wild gestikulierend deutete er auf einen kleinen Prospekt, den er uns ans Fenster hielt. Schatzi hatte Angst, dass er bei diesem halsbrecherischen Manöver noch unter (unsere) Räder kommen würde und bremste langsam ab. Wir stiegen aus und versuchten uns mit ihm zu verständigen. Er sprach zwar sehr wenig Englisch, konnte uns aber ganz genau alle Sehenswürdigkeiten, die er in der Bucht von Phang Nga mit uns ansteuern wollte, auf seinen Prospekt zeigen. Dann tippte er fröhlich mit dem Finger auf seine Brust und sagte: „I’m your Captain!“ Wer kann bei so viel eifrigen Engagement schon nein sagen? Wir waren begeistert von unserer Zufallsbekanntschaft und einigten uns schnell auf einen Preis. Für umgerechnet 20 € bot er uns eine Rundfahrt mit seinem Longtail durch die smaragdgrüne Bucht an. „Das machen wir doch glatt!“, entfuhr es Schatzi und so folgten wir unserem Captain zu seinem Boot. Er hatte tatsächlich ein bunt geschmücktes Longtail und wir waren seine einzigen Passagiere. Wir stiegen ein und unser Captain schmiss den Benzinmotor an. Laut ratternd gaben wir Gas.

Mit unserem „Captain“ in die Bucht von Phang Nga

Dieser Trip mit unserem privaten Skipper war für uns das „First Class Sightseeing Erlebnis“ pur! Auf dem Priel „Klong Ko Panyi“ ging es eine ganze Weile Richtung Süden, vorbei an dem muslimischen Pfahldorf Koh Panyi, das wir am Ende der Tour noch besichtigen würden. Als wir schließlich in den Dunstkreis des gewaltig aufragenden Koh Ta-Pu kamen sahen wir Dutzende Boote, in denen sich die Touristen drängten. Unser lautes Longtail kam mir von da an vor wie ein Luxusliner! Unser Captain strahlte über das ganze Gesicht, als wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kamen. Wir wurden an den kleinen Strand gebracht und wir verabredeten eine Zeit, indem wir diese mit einem Stock in den Sand kritzelten.

Ko Tapu - "James Bond Felsen"
Ko Tapu – „James Bond Felsen“ Bucht von Phang Nga

Und dann sahen wir ihn aus nächster Nähe: Der spektakuläre Felsen ragt wie eine gigantische, begrünte Amphore aus dem Wasser. Natürlich posierten wir wie Dutzende andere Touristen auch davor und fotografierten uns ausgiebig. Wir erkundeten die Höhlen der Insel, bis es wieder an der Zeit war unseren Captain aufzusuchen. Anschließend wurden wir zu einem Ponton, einer schwimmende Plattform, vor der Insel Koh Talu Nok chauffiert. Von hier aus unternahmen wir dann mit einem Guide eine Kayak-Tour durch die bizarren Felshöhlen und Mangrovenwälder der Phang Nga Bucht. Diese Tour war abenteuerlich, denn oftmals mussten wir uns rücklings in das Boot legen, um unter den teilweise flachen Grotten hindurch gleiten zu können ohne uns die Köpfe aufzuschlagen. Das Felspanorama vom Kayak aus ist wirklich sehr beeindruckend. Auch konnten wir viele Makaken beobachten sowie kleine Schlammspringer, die sich auf dem von der Ebbe freigelegten Schlick sichtlich wohl fühlen. Unser nächstes Ziel war das auf Pfählen errichtete, muslimische Dorf Ko Panyi. Hier bewegt man sich auf Brücken oder Stegen von Haus zu Haus, vorbei an Souvenirläden und Garküchen. Auch einige Seafood-Restaurants gibt es hier mit Blick auf die Bucht. Die Panyi Bewohner waren ursprünglich Seezigeuner, die vom Fischfang im flachen Meer und von der Muschelaufzucht sowie Fischzucht lebten. Heutezutage lebt die Gemeinde hauptsächlich vom Tourismus. Nach der 1-stündigen Kayak-Tour brachte uns unser Captain dann sicher wieder an die Pier. Wir zahlten den vereinbarten Preis, fügten ein Trinkgeld hinzu und verabschiedeten uns herzlich.

Ausflug nach Krabi und Railay Beach

Ein weiterer und letzter Trip auf dieser Reise führte uns zum nächsten Highlight, einem absoluten Muss: Dem Railey Beach, einem der top Strände der Welt inmitten einer Bilderbuchkulisse. Wir fuhren in die Provinz Krabi und von Ao Nang sind wir mit dem Longtail zur Halbinsel Railay (oder auch Rai Leh) gefahren. Railay ist nur per Boot erreichbar, es sei denn, man möchte sich einen halbstündigen, beschwerlichen Fußweg auf einer schlammigen Piste geben. Die Longtails fahren immer dann los, wenn sie voll besetzt sind. Man kauft dazu einfach am Counter ein Ticket für die Taxiboote für 100 Baht pro Person und Strecke. Die Boote fahren von 8 Uhr bis 18 Uhr! Es ist also wichtig für Tagesgäste rechtzeitig nach dem letzten Boot Ausschau zu halten. Wir mussten ca. 15 Minuten warten, bis unser Longtail voll besetzt war und dann ging es los. Bei Ebbe muss man etwas weiter in das Wasser hineinwaten, da die Boote dann nicht an den Strand gelangen können.

Von Ao Nang nach Railay Beach vorbei am Centara Hotel

Schon die 15-minütige Fahrt vorbei an steil aufragenden Karstfelsen und der kleinen palmengesäumten Tonsai Bay, war ein paradiesisches Erlebnis. Hier finden auch Kletterer Traumbedingungen vor. Zahlreiche Kletterschulen bieten hier Touren für jede Schwierigkeitsstufe an. In diesem Gebiet können um die 300 Routen erklettert werden. Die Boote kommen am Railey West Beach an. Hier findet man einen wunderschönen, 500 m langen weißen Sandstrand vor, der, umrahmt von einer traumhaften Felskulisse, seines Gleichen sucht. Man kann hier herrlich baden, da keine Steine oder Korallen das Erlebnis trüben. In den Strandbars kann man unter Palmen Thaigerichte und Cocktails genießen. Auf der gegenüberliegenden Seite findet man den Strand Railey Ost. Dieser ist weniger zum Baden geeignet, da hier viele Mangroven wachsen und er sehr flach abfällt. Von hier aus kann man eine Wanderung zur Diamanthöhle unternehmen oder über einen Kletterpfad zum Aussichtspunkt der Insel sowie der Phra Nang Lagune wandern. Aber es wird noch paradiesischer!

Railay West
Railay West – Krabi
Bizarre Karstfelsenlandschaft auf dem Weg zum traumhaften Hat Phra Nang
Bizarre Karstfelsenlandschaft mit Stalaktiten auf dem Weg zum traumhaften Hat Phra Nang

Von Railay Ost führt ein 5-minütiger Weg teilweise unterhalb der Felsen zum traumhaften Hat (steht für Strand) Phra Nang. Vorbei geht es am einzigen Resort am Hat Phra Nang, der 5-Sterne Luxusanlage Rayavadee. Der Transfer der Gäste zum Resort erfolgt mit einem Amphibienfahrzeug. Für mich ist der Hat Phra Nang einer der schönsten Strände, die ich je gesehen habe. Hier findet man einen von gigantischen Kalksteinfelsen umschlossenen weißen Puderzuckerstrand und über dem linken Strandabschnitt hängen eindrucksvolle Stalaktiten herab. Eine weitere Hauptattraktion des Phra Nang Beaches sind die Fruchtbarkeits-Schreine in den Felswänden. Traditionell bringen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch aus Holz geschnitzte Phallussymbole hierher, um ein wenig Einfluss auf das Schicksal zu nehmen. Wir haben uns nicht sattsehen können und bestaunten lange diese atemberaubende Landschaft.

Hat Phra Nang
Hat Phra Nang – Krabi
Hat Phra Nang
Baden unter Stalaktiten – Hat Phra Nang

Gegen Nachmittag liefen wir dann wieder zum Railey West Beach hinüber, um dort noch einen leckeren Cocktail am Strand zu genießen. Irgendwann hieß es dann leider auch hier Abschied nehmen. Unser Longtail-Fahrer rief zur verabredeten Zeit laut und deutlich „Ao Nang“ und wir wateten zum Boot. Mittlerweile hatte sich das Wasser weit zurückgezogen. Die Gezeiten sind hier so stark, dass man bei Ebbe sogar vorbei an den Felsmassiven bis zur benachbarten Tonsai Bay laufen kann.

Natürlich wollten wir unbedingt und noch Krabi Stadt anschauen, außerdem hatten wir – allen voran natürlich Schatzi – einen riesigen Hunger. In Krabi gibt es einen großen Nachtmarkt, wo wir an den Garküchen leckere Thaigerichte probierten. In Krabi Stadt gibt es zwei Nachtmärkte. Einer liegt direkt am Chao Fah Pier, von wo auch die Longtails nach Railey abfahren. Die Alternative ist der City Nightmarket in der Sukhon Road (Soi 10). Überall kann man für wenig Geld die Lokalspezialitäten probieren. Wir haben uns unter anderem für ein Pad Thai entschieden. Dies ist ein auf der heißen Platte frisch zubereitetes traditionelles Gericht aus Reisbandnudeln mit verquirlten Eiern, Fisch- und Tamarindensauce, Knobi, Chili, Bohnensprossen und dazu wahlweise Krabben, Tofu oder Fleisch. Hinzu gereicht werden zerstoßene Erdnüsse, Korianderblätter und Limettenstückchen zum Verfeinern der Spezialität. Als Dessert hatten wir leckeren Sticky Rice with Mango (Klebereis mit Mango), eine, wenn nicht DIE süße Spezialität in Thailand. Yummy! Gut gestärkt sind wir dann noch ein wenig an den interessanten Markt- Textil- und Souvenirständen vorbei geschlendert. Besonders beeindruckend war ein Stand mit „Durians“! Die kokosnussgroße, gelbliche Frucht mit den holzigen Stacheln hat einen süßlichen Geschmack, wird aber wegen seines Geruchs oftmals als abstoßend empfunden und deshalb auch „Stinkefrucht“ genannt. Aufgrund der Geruchsbelästigung ist die Mitnahme von Durianfrüchten in Hotels oder Flugzeugen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln oftmals nicht gestattet. Verbotsschilder mit rot durchgestrichenen Durians weisen vielerorts plakativ darauf hin.

Mit vielen einzigartigen Eindrücken verlassen wir Krabi und kehren nach KhaoLak zurück, wo wir dann noch herrliche Tage in unserem kleinen Resort Baan KhaoLak verbrachten. Aus einer Pauschalreise wurde unsere erste gemeinsame Reise nach Thailand spontan zu einer für uns ganz besonderen Individualreise. Spätestens beim Anblick der Fotos vom kleinen Paradies in Fernost und der wundervollen Erinnerungen, die damit verbunden sind wird für uns klar, dass wir hier nicht das letzte Mal gewesen sind. Thailand wird immer mehr als eine Reise für uns wert sein. Thailand steht für traumhafte Landschaften, für seine liebenswerten Menschen und für ein Abtauchen in eine ganz andere Welt. Auch wenn sich hier im Zuge der Globalisierung vieles dramatisch verändert hat, ist immer noch sehr viel Ursprünglichkeit und spannende Andersartigkeit zu entdecken. Jeder wird in diesem wundervollen Land immer noch sein ganz persönliches Plätzchen im Paradies finden!

 

 

 

 

 

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